Kulturelles Engagement des Ordens
Kultur als Auftrag

Der Orden ist ein internationaler römisch-katholischer Ritterorden, der seit Jahrhunderten caritativen, humanitären sowie kulturellen Aktivitäten in enger Verbindung mit der Katholischen Kirche und gemäß katholischen Grundsätzen gewidmet ist. Der Orden strebt danach, durch Nächstenliebe auf die Welt von heute einzuwirken – auch in der Förderung von Kultur als materiellem und immateriellem Erbe. Dieses Selbstverständnis manifestiert sich in einem dichten Netz institutioneller Strukturen, Bildungsprogramme, Forschungskooperationen, Publikationsprojekte, Ausstellungen und diplomatischer Präsenz, das sich mittlerweile über drei Kontinente erstreckt.

Der Orden entwickelt sein Engagement im Bereich der Kultur als materiellem und immateriellem Erbe, der Bildung sowie der Förderung von Geschichte und Kunst. Die Delegationen organisieren offene Bildungsveranstaltungen, bei denen Vorträge zu historischen, spirituellen oder künstlerischen Themen mit Besuchen bedeutender Denkmäler, Gemäldeausstellungen oder Fotografieausstellungen sowie Benefizkonzerten abwechseln. Der Orden bildet seine Mitglieder zugleich in Kirchengeschichte, kanonischem Recht, Geopolitik, patristischer Theologie, Diplomatiegeschichte, moderner Philosophie und praktischem Erste-Hilfe-Wesen aus – eine Kombination, die dem Anspruch entspricht, ganzheitlich gebildete Ritter und Damen zu formen, die in der Gesellschaft präsent und kompetent wirken können.

Die internationale Dimension: Kulturarbeit auf drei Kontinenten

Das Kultur- und Bildungsengagement des Ordens entfaltet sich auf mehreren Kontinenten. Unter Großmeister Don Pedro ist der Orden, der in Spanien und Italien von einer Stiftung flankiert wird, auch in Deutschland, Österreich, Brasilien, Frankreich, Liechtenstein, Luxemburg, Peru, Portugal, Großbritannien und Schweden aktiv. Im November 2023 wurde der Orden dank seines besonderen Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen und seines Beobachterstatus bei der UN-Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifik zur siebten Asiatisch-Pazifischen Bevölkerungskonferenz der ESCAP eingeladen. Diese Präsenz auf internationaler Ebene unterstreicht, dass der Orden Kultur und Bildung als universale, grenzüberschreitende Aufgabe versteht.

Institutionelle Träger: Die Fondazione San Giorgio Italia ETS

Als zentraler institutioneller Träger des Kulturengagements in Italien fungiert die Fondazione San Giorgio Italia ETS, die im Register des Dritten Sektors eingetragen ist. Sie fördert Bildung und Forschung durch kulturelle Veranstaltungen und ehrenamtliche Arbeit und engagiert sich in der Valorisierung des kulturellen Erbes sowie der Förderung von Bildung und Forschung, um die gesellschaftliche Wirkung ihrer Initiativen zu vergrößern. Die Stiftung fördert akademische und Forschungsinitiativen, pflegt das historische und kulturelle Erbe Italiens und verbreitet Kultur und Bildungswerte auch durch editorische, populärwissenschaftliche und künstlerische Tätigkeiten von gesellschaftlichem Interesse.

Präsident der Stiftung ist S.E. Prinz Don Flavio Borghese; Vizepräsident ist der Graf Antonio Zanardi Landi; Mitglied des Vorstands ist S.K.H. Prinz Jaime de Borbón-Dos Sicilias, Herzog von Noto und Großpräfekt des Ordens; Rat und Generaldirektor ist der Nobile Alessandro Pompili, Baron von Denny.

Wissenschaftliche Grundlagenarbeit: Das Standardwerk zur Ordensgeschichte

Zur kulturellen und bildungsbezogenen Arbeit des Ordens gehört auch die Förderung der wissenschaftlichen Erforschung seiner eigenen Geschichte. Das umfassendste und definitivste Werk über den Heiligen Militärischen Constantinischen Orden des Heiligen Georg ist das 2018 erschienene Buch von Guy Stair Sainty, Vizegrandkanzler des Ordens, das sowohl in englischer Originalausgabe als auch in spanischer Übersetzung vom Boletín Oficial del Estado (BOE), der amtlichen Staatszeitung des Königreiches Spanien, veröffentlicht wurde – eine ungewöhnliche Ehrung, da es sich um die erste englischsprachige Publikation des BOE überhaupt handelt.

Bildungsprogramme: Formazione Costantiniana und digitale Formate

In Italien wurde ein umfangreiches Bildungsprogramm unter dem Namen „Formazione Costantiniana“ ins Leben gerufen. Der aktuelle Kurs erstreckt sich von Mai 2025 bis April 2026 und ist spezifisch den neu investierten Rittern, den Postulanten und denjenigen gewidmet, die sich der Sacra Milizia annähern wollen. Inhaltlich deckt der Kurs ein außerordentlich breites Spektrum ab: von der religiösen Natur der Sacra Milizia über die Geschichte und das Charisma des Ordens, die rechtlichen und kanonischen Grundlagen, die Rolle der Ritterorden bis hin zu konkreten Modulen über psychologische Erste Hilfe bei Katastrophen.

Ergänzend zu den Präsenzformaten betreibt der Orden einen Podcast als digitales Bildungsmedium. Bisherige Folgen behandelten u.a. die päpstliche Enzyklika „Gravissimum educationis“ über die christliche Erziehung, die Apostolicam actuositatem, Ad gentes sowie die Soziallehre der Kirche, die christliche Wirtschaftsethik und den integralen Humanismus. Der neueste Podcast widmete sich der christlichen Paideia bei Augustinus. Dieses digitale Angebot ist niedrigschwellig und für alle zugänglich, nicht nur für eingeschriebene Mitglieder des Ordens.

Wissenschaftliche Kooperationen und Universitätspartnerschaften

Der Orden pflegt aktive Kooperationen mit Universitäten und Forschungseinrichtungen. In diesem Rahmen finden regelmäßig Konferenzen in Rom statt, bei denen hochrangige Botschafter, Diplomaten und Wissenschaftler zu aktuellen Themen referieren. Im Oktober 2025 analysierte Botschafter Giusandrea Mochi Onory di Saluzzo das Thema „Europa, Grönland und die Vereinigten Staaten von Amerika“ und erläuterte geopolitische Entwicklungen rund um den Arktischen Ozean. Im Februar 2026 sprach Botschafter Filippo Scammacca del Murgo e dell’Agnone über „Mein Afrika“ und schilderte seine Erfahrungen als italienischer Diplomat auf dem afrikanischen Kontinent.

Das Konstantinische Museum in Parma und die Basilika Santa Croce al Flaminio in Rom

Zu den dauerhaften kulturellen Institutionen des Ordens zählen das konstantinische Museum in Parma sowie die Basilika Santa Croce al Flaminio in Rom, die als spirituelle und kulturelle Heimstätten des Ordens fungieren. Sie sind Orte der Bewahrung des historischen Erbes und dienen als Zentren für Bildungsveranstaltungen, Buchpräsentationen und wissenschaftliche Symposien, bei denen Publikationen zur Geschichte des Ordens, zur katholischen Theologie und zur europäischen Kulturgeschichte vorgestellt werden.

Stipendienprogramme: Bildungsförderung im Orden und in der Entwicklungshilfe

Der Orden fördert Bildung nicht nur durch eigene Veranstaltungen, sondern auch durch konkrete finanzielle Unterstützung. In Großbritannien und Irland vergibt der Orden Stipendien für Seminaristen als gezielte Bildungsförderung des Ordensnachwuchses. In Peru betreibt der Orden ein Berufsbildungsprogramm als Form der Entwicklungshilfe, das benachteiligten Jugendlichen den Zugang zu beruflicher Qualifikation ermöglicht und damit kulturelle und wirtschaftliche Teilhabe fördert.

Kulturpartnerschaften mit der Öffentlichen Hand: Die Barceloner Ausstellung

Ein besonders sichtbares Beispiel für die Zusammenarbeit des Ordens mit öffentlichen Kulturinstitutionen ist die Barceloner Ausstellung, bei der der Orden als Kulturpartner der öffentlichen Hand auftrat. Diese Kooperation unterstreicht, dass der Orden nicht nur als kirchliche Körperschaft agiert, sondern sich als aktiver Teilnehmer des öffentlichen Kulturlebens versteht – ein Anspruch, der sich auch in der Teilnahme an Kulturpreisen und öffentlichen Kulturdebatten widerspiegelt.

Spezifische Kulturprojekte: Kunstrestaurierung, Erinnerungskultur und Gedenkfeiern

Auf der spezifischsten Ebene engagiert sich der Orden in konkreten Kulturprojekten: Die Delegation Kalabrien beteiligte sich an der Restaurierung des Gemäldes „Judith und Holofernes“ in der Kirche Maria Santissima del Rosario in Bagnara Calabra. Am 14. Juni 2024 wurde die Delegation zur feierlichen Rückkehr des restaurierten Gemäldes eingeladen. Darüber hinaus übergab die Delegation historische Dokumente zur Erinnerungskultur und organisiert regelmäßig Gedenkfeiern zur Geschichte des Königreichs beider Sizilien, die das historische Gedächtnis Süditaliens lebendig halten.

Kulturpreis für den Frieden und internationaler Kulturdialog

Als Ausdruck seines Engagements im öffentlichen Kulturdiskurs nahm der Orden an der Verleihung eines Kulturpreises für den Frieden teil, bei der der israelische Schriftsteller David Grossman ausgezeichnet wurde. In der vollbesetzten Basilika waren Bürgermeister, Staatsanwalt, Rektor der Universität Federico II und der Tourismusassessor anwesend; die Delegation des Ordens nahm in offizieller Abordnung teil. Die Teilnahme unterstreicht das Selbstverständnis des Ordens als Institution, die nicht nur innerkirchlich wirkt, sondern im öffentlichen Kulturdiskurs präsent sein will.

Spirituelle Bildungsreisen und das interdelregative Kapitel

Im März 2026 unternahm die Delegation Rom und Vatikanstadt ihren traditionellen spirituellen Vorosterrückzug im Sacro Speco von Subiaco, dem Klosterkomplex aus Kloster San Benedetto und Kloster Santa Scolastica – einem der wichtigsten Zentren der westlichen Spiritualität. Das Programm umfasste spezialisierte Führungen durch beide Klöster sowie die Möglichkeit zur persönlichen Besinnung. Das interdelregative Kapitel der süditalienischen Delegationen bietet darüber hinaus einen gemeinsamen Rahmen, in dem Bildung als gemeinsamer Weg der Delegationen gepflegt wird – als Ausdruck der Überzeugung, dass das kulturelle Engagement des Ordens in der Gemeinschaft verwurzelt sein muss.

Kultur und Bildung als transatlantisches Projekt

Das kulturelle Engagement des Ordens ist kein auf Europa begrenztes Projekt, sondern ein transatlantisches Vorhaben. Die amerikanische und britische Kommission des Ordens betreiben seit 2023 eine gemeinsame englischsprachige Website, um Informationen über die internationalen Aktivitäten des Ordens auf Englisch zugänglich zu machen. Die US-Delegation, mit Sitz in New York, bewies in der COVID-19-Krise ihre Vernetzungsfähigkeit und internationale Solidarität: Eine Fundraising-Kampagne mobilisierte breite Unterstützung aus Amerika für süditalienische Krankenhäuser. Dieser transatlantische Einsatz zeigt, wie kulturelle Bindungen in konkrete Hilfsleistungen übersetzt werden können – und wie der Orden seine kulturelle Identität als Brücke zwischen den Kontinenten versteht.

Das Galadinner im Liria-Palast in Madrid, dem historischen Sitz des Herzogs von Alba und eines der bedeutendsten Privatpalais Europas, bildet ein weiteres Beispiel für die Verbindung von Benefizkultur, gesellschaftlichem Engagement und repräsentativer Öffentlichkeit, in der sich der Orden bewegt. Kultur und Bildung bleiben für den Constantinischen Orden keine abstrakten Werte, sondern gelebte Praxis – von der wissenschaftlichen Monographie bis zum Restaurierungsprojekt, vom Stipendium bis zum Galadinner, vom Podcast bis zur UN-Konferenz.